Die Republik der Solisten – 125 Jahre Berliner Philharmoniker

4. Mai 2009

Sendemanuskript für DLF, Studiozeit „Kulturelles Feature“, 25.Mai 2007 , 20.10 Uhr bis 21.00 Uhr
Redaktion: Ulrike Bajohr

Beginn mit
Atmo Einstimmen vor dem Konzert

darüber Alexander  Wedow
Der Sprung in dieses Orchester, das war wie wenn Sie auf einem anderen Kontinent gelandet waren. Man wurde in diesem Orchester auf eine Weise mitgerissen. Ich dachte immer, es sei sehr schwer dort zu spielen- es war sehr leicht. Weil jeder wie ein Solist spielte und man wurde total mitgerissen, auch wenn man Stücke nicht kannte.

Atmo wie oben, man hört die Durchsage:
„ Die Damen und Herren des Orchesters bitte zur Bühne…“

darüber Madelaine Carruzzo
Das Erste, was mir auffiel seinerzeit war das Zuhören, also man hat wirklich immer zugehört, was im Orchester passiert, also es war quasi ein Kammermusik spielen im Großen und das fand ich faszinierend.

Atmo wie oben:
„Die Damen und Herren des Orchesters bitte auftreten, das Orchester bitte Platznehmen“

darüber Hanns Joachim Westphal
Die letzten Momente vor dem Gang aufs Podium, die sind seltsam. Wenn man natürlich als Solist kommt, ist man ja völlig einsam, aber auch als Tutti in einer Gruppe, das Auftreten, das ist schon etwas Besonderes.

Atmo wie oben, Saalgong

darüber Johannes Bastiaan
Das Aushängeschild Berliner Philharmoniker war schon ein Aushängeschild nach dem jeder seine Hände ausstreckte

Atmo: Applaus, Auftritt Dirigent, Saal wird leise

Einsatz Musik : BPO und Arthur Nikisch, Richard Wagner,  Parsifal, Vorspiel 1. Akt von Anfang; Musik kurz stehen lassen, dann darüber:

Sprecherin
Die Republik der Solisten- 125 Jahre Berliner Philharmoniker
Ein Feature von Eva-Maria Götz

Sprecher
„Herr Hofmusikdirektor Bilse gedenkt im Sommer in Warschau zu konzertieren. Aber die Bedingungen, welche er seinem Orchester für Warschau stellte, waren solcher Natur, dass selbst den allerbescheidensten Lebensansprüchen nicht genügt werden konnte. Ein zweimaliger Versuch des Orchesters, eine Einigung zu erzielen, wurde aber von Bilse schroff zurückgewiesen, ja, es war dem von den Orchestermitgliedern entsandten Komitee ganz unmöglich zu Worte zu kommen und die bescheidenen Ansprüche auch nur zu nennen, welche für Warschau als unumgänglich notwendig zum Leben erachtet werden müssen.

Sprecherin
Berliner Tageblatt , 22. März 1882

Sprecher (unter Text Musik Parsifal abblenden)
„Vor die Alternative gestellt, entweder das Orchester auflösen zu lassen, oder aber durch weiteres Zusammenwirken die Existenz jedes Einzelnen zu sichern, entschlossen sich die Orchestermitglieder zu Letzterem und wählten sich in der Person des königlichen Musikdirektors und Professor Ludwig von Brenner einstimmig einen neuen Dirigenten.“
——-

Sprecherin:
1882 bis 1887: Ein Orchester erfindet sich neu

darunter Musik: BPO, Arthur Nikisch, Beethoven 5. Sinfonie

Autorin
Die Geschichte des ersten nach demokratischen Prinzipien organisierten Orchesters in Deutschland beginnt mit einer Revolte. Kein Chefdirigent, der bestimmen darf, wer am Abend auf dem Podium sitzt, kein Adelshaus, das sich eine Kappelle zur musikalischen Erbauung leistet, kein Mäzen, der für finanzielle Risiken bürgt.  Aber von Anfang an der Anspruch, ganz oben mitzuspielen und das Musikleben der aufstrebenden Hauptstadt entscheidend mitzugestalten. Bald schon im eigenen Haus.

Musik frei stehend

Sprecher
Es ist beabsichtigt, außer den vier regelmäßigen Abenden die großen Choraufführungen und die Konzerte solcher Künstler, deren Zugkraft einen großen Saal bedingt, in die „Philharmonie“ zu verlegen. Die Philharmoniker, wie sich das vormalige Bilsesche Orchester nennen wird, sollen hierzu herangezogen werden. Damit wäre endlich dem in Berlin so lange schmerzlich empfundenen Bedürfnis nach einem großen Saal und disponiblem guten Orchester für bedeutende Konzerte Abhilfe geschaffen.

Sprecherin
Berliner Tagblatt, 4. Juni 1882.

Musik Beethoven hier leise abblenden

Westphal
War Gründerzeit. Ein rechteckiger Raum mit viel Stuck und Schmuck an den Wänden. War ja eine alte Rollschuhbahn, umgebaut um 1880 herum. Sie soll ja mit die beste Akustik gehabt haben, so wie man es damals sich wünschen konnte, vergleichbar mit Amsterdam und Boston.

Sprecherin:
Hanns Joachim Westphal, Stimmführer 2. Geige , Berliner Philharmoniker von 1951 bis 2001

Westphal,
Man ging sogar über einen Hof, also das war quasi auf dem Hinterhof, wo auch das Konservatorium war. Das war ein Komplex. Später war ich da ja unmittelbar daneben im Konservatorium. Die ganze Gegend war damals so grau- schwarz, das ergab sich wahrscheinlich durch den vielen Qualm von den Bahnhöfen und Schornsteinen.

Furtwängler
Die Philharmonie war sicher ein scheußliches Bauwerk architektonisch, aber akustisch war sie herrlich.

Sprecherin
Wilhelm Furtwängler, Chefdirigent

Atmo
Musik Beethoven wieder hoch (bei 3.00)

Sprecher
Philharmonie. Bernburgerstrasse 22a. 17. Oktober 1882.
Heute: 1. Concert des Philharmonischen Orchesters unter Leitung seines Dirigenten des Königlichen Musikdirektors Herrn Professor von Brenner

Sprecherin  (als Atmo unterlegen)
Andante Cantabile, Streichquartett Tschaikowsky
Non piu mesta, Variationen für Violine, Paganini (vorgetragen von Konzertmeister Herrn Prof Thomson)
Vorspiel zu der Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ von Richard Wagner
Zum ersten Mal: Ouvertüre zur Oper „Manfred“ von Reinecke
Le carneval russe Fanatsie für Flöte von Ciardi
Nocturno für cello mit Harfenbegleitung Frederic Chopin
Zum ersten Mal: Slavische Rhapsodie No II von Dvorak

Sprecher, darauf:
Der recht gut gefüllte Saal sprach deutlich dafür, dass diese Musikaufführung einem lebhaft empfundenen Mangel abhelfen.

Sprecherin als Atmo wie oben
Ouvertüre zur Oper Wilhelm Tell von Rossini
Zum ersten Mal: Schwedischer Tanz für Streichorchester von Gouvry

Applaus

Sprecher
So weit wir uns auf die Physiognomie des Publikums verstehen, war es ein der ernsten, echten Kunst huldigendes Auditorium, das sich eingefunden hatte und nicht etwa von der Neuheit des Unternehmens hergelockt war, sondern das Bedürfnis nach einem wirklichen Musikgenusse hatte, welches in dem Programm und dessen trefflicher Aufführung sicherlich allgemeine Befriedigung fand.

Sprecherin
Neue Allgemeine Musikzeitung , Oktober 1882

Gerhardt
Das Orchester hatte aber in den ersten Jahren seines Bestehens sehr stark zu kämpfen, weil es eben kein Hoforchester war, sondern auf eigenen Füßen stand.

Sprecherin:
Dietrich Gerhardt, Bratsche, Philharmoniker 1955 bis 1993

Gerhardt
Jeder musste seinen Einsatz bezahlen in dieser Frühzeit, ich weiß nicht wie viel 1000 Mark musste jeder auf den Tisch legen, um Gesellschafter zu werden im Orchester und wurde erst dann aktives Mitglied und das hat ja dann auch dieses Sich-Identifizieren jedes einzelnen Orchestermitglieds bewirkt, die bis heute noch nachwirkt.

Autorin
Die Gründung einer Philharmonischen Gesellschaft soll die Finanzen stabilisieren, mit mäßigem Erfolg.
Sinfonische Musik hat vor 1900 keinen guten Stand in Berlin. Zwar leistet sich der Hof ein Opernhaus Unter den Linden, und mit der „Krolloper“ ab 1886 noch ein zweites, der Volksoper verpflichtetes Musiktheater. Es gibt die ambitionierte Sing- Akademie und natürlich wird auch Berlin vom grassierenden Wagner- Fieber infiziert. Doch um ein regelmäßiges zahlungskräftiges Publikum an sich zu binden, muss sich das neue Orchester etwas Besonderes einfallen lassen. Große Solistennamen zum Beispiel:

Sprecher
Eine wahre Freude bereitet dem großen Auditorium Frau Klara Schumann durch ihr vorzügliches klassisches Spiel.

Autorin
Volksnahe Konzerte sollen  ein neues Publikum erschließen:

Musik Franz Liszt , Tarantella, BPO, Erich Kleiber, ab 0.30, darüber

Grünewald
Man trank Kaffee , aß Kuchen, trank Bier, vielleicht aß man auch ein Schnitzel. Da klapperten die Teller,

Sprecherin
Helge Grünewald, Dramaturg der Berliner Philharmoniker

weiter Grünewald
…die populären Konzerte der Philharmoniker waren auch Konzerte auf allerhöchstem Niveau und es waren auch die großen Dirigenten der Zeit, die auch dort dirigiert haben.

Autorin
Und vor allem wurden die neuesten technischen Möglichen genutzt, eine Vorliebe, die dem Orchester bis heute erhalten geblieben ist:

Sprecher
In der Philharmonie ist nun eine telephonische Station eingerichtet, in welcher man aus einer Entfernung von 100 Metern die Vorträge des Orchesters zu hören bekommt. Es will uns scheinen, als wäre die Leitung noch einer Verbesserung fähig, denn einstweilen befriedigt sie mehr das physikalische als das musikalische Interesse.

Grünewald
Ich denke auch, dass so ein bisschen von diesem Pioniergeist geblieben ist in dem Wagemut des Orchesters, in dem Bewusstsein, die eigenen Geschicke doch weitestgehend auch in die eigenen Hände zu nehmen und in den eigenen Händen zu halten, das ist doch wohl ziemlich einmalig als Modell eines selbstbewussten Orchesters.

Sprecherin
Madelaine Carruzzo, erste Geige Tutti , Berliner Philharmonikerin seit 1982:

Madelaine Carruzzo
Dass man selbst seinen Chefdirigenten wählt und die Mitglieder des Orchesters, das ist schon sehr, sehr wichtig, weil man ist verantwortlich für das Ergebnis und das motiviert natürlich.

Alexander Wedow
Jeder wusste, der zu uns kommt: die haben mich gewählt, ich bin nicht nur aufgrund eines Votums von irgendeinem Chefdirigenten hier, das Orchester hat mich gewählt .

Sprecherin
Alexander Wedow, Cello, Berliner Philharmoniker von 1962 bis 2000

Sprecherin:
1887- 1922: Auftritt der Maestri: Hans von Bülow und Arthur Nikisch

Musik: BPO, Arthur Nikisch, Parsifal, Verwandlungsmusik, sehr leise unter Text

Autorin
Nach 5 Jahren nach Gründung des Orchesters ist das Geschäftsmodell Philharmonische Gesellschaft gescheitert. Die Musiker treten wieder unter dem Namen Philharmonisches Orchester auf und beauftragen Hermann Wolff, Konzertagent mit Einfluss und Einfühlungsvermögen, sich um Programm und Vermarktung zu kümmern. Am 21. Oktober 1887 sorgt Wolff  für eine Sensation, als es ihm gelingt, den ersten Chefdirigenten in der Geschichte des Orchesters zu verpflichten. Sein Name : Hans von Bülow.

Riethmüller
Hans von Bülow war ein eigenartiger Typus, der nachdem Richard Wagner ihm seine Frau Cosima weggenommen hat, trotzdem fest an Wagner kleben blieb, der ein hervorragender Pianist war, der manche von den heute fast lächerlich wirkenden Eitelkeiten gepflegt hat, beispielsweise dass er mit Glacehandschuhen dirigiert hat.

Sprecherin
Professor Albrecht Riethmüller, Musikwissenschaftler an der Freien Universität Berlin und Dramaturg Helge Grünewald:

Grünewald
Der war eben bei allen Merkwürdigkeiten, die er ja auch gehabt hat, war eben ein ganz kompromissloser und völlig der Kunst verschriebener Musiker und die Partner zusammen, die konnten ganz schnell den Grundstein legen für diese ungeheure Qualität, die relativ schnell auch fast einmalig war, jedenfalls haben die sehr schnell in der Spitzenliga der Orchester mitgespielt.

Musik „Parsifal von oben unter Text weg

Sprecher
Dass ein Orchester in seinen einzelnen Gliedern so völlig von dem Feuergeiste eines Dirigenten durchdrungen werden könnte, habe ich kaum für möglich gehalten. Jede rhythmische und dynamische Nuance klang nicht wie die von Außen her geleitete Eingebung eines Anderen, sondern wie das Ergebnis eines reich entwickelten Seelenlebens jedes Mitwirkenden. Das ist gewisse das Höchste, zu dem ein Orchester gebracht werden kann, und dass dies so herrlich gelungen ist, dient zum Ruhme des Dirigenten nicht minder wie zu dem des Orchesters.

Sprecherin
Allgemeine Musik Zeitung, Oktober 1887

Sprecher 1
„Meine Anwesenheit hier ist nur gerechtfertigt, wenn ich Reformen durchführe“

Autorin
… sagt Hans von Bülow und beginnt mit der Arbeit. Die Programme sind nicht breit gefächert: Zeitgenosse Johannes Brahms, viel Wiener Klassik: Haydn, Mozart, Beethoven. Aber Musik ist für ihn Mission: Beethovens 9. Sinfonie lässt er zweimal hintereinander aufführen, damit das Publikum die Bedeutung des damals noch umstrittenen Werkes auch richtig erkenne. Das Orchester spielt immer auswendig. Und von Bülow entwickelt den speziellen Klang:

Grünewald
Dieses Bassfundament, dass der Klang nicht zu sehr höhenbetont ist. Natürlich sind da auch brillante Geigen, aber das es dieses Bassfundament gibt, auf dem vieles aufgebaut ist, dass die dunklen Gruppen des Orchesters ihren besonderen Klang haben, auch die Bratschengruppe ist ne ganz einzigartige Gruppe…. Das war Bülows: am Klangfundament zu arbeiten, während sein Nachfolger dann mehr am Repertoire gearbeitet hat.

Gerhardt
Das ist ja drin, da gibt es ja gar nichts dran zu rütteln, das ist seit Menschengedenken drin, weiß nicht wer das eingeführt hat , wahrscheinlich Bülow, das man vom Bass her die Akkorde aufbaut, das versteht man ohne lange zu diskutieren, das ist ja auch ne sehr einleuchtende Technik des Orchesters.

Sprecher: Brief an Tschaikowsky als Atmo,
Hochgeehrter Herr Tschaikowski,
ab hier: Grünewald siehe unten
wie ich aus der Musikzeitung von Bothe und Bock ersehe, beabsichtigen Sie im Laufe des Winters eine Reise nach Deutschland zu unternehmen. Dies bringt mich nun auf die Idee, Ihnen vorzuschlagen, in einem Konzert des Philharmonischen Orchester einige Ihrer Werke zur Aufführung zu bringen. Wie Ihnen bekannt sein dürfte. haben wir seit Jahren Ihre Kompositionen unter den namhaftesten Männern wie Wüllner, Klinthworth, Mannstedt, Bülow etc. zur Aufführung gebracht, und wenn wir nun den Wunsch hegen, diese Werke nun einmal unter der persönlichen Direktion des Meisters zu spielen so dürfte dieser Wunsch mehr als gerechtfertigt sein. Grünewald fertig
Eine vorzügliche Wiedergabe Ihrer Kompositionen dürfen Sie von dem Philharmonischen Orchester versichert sein, da dasselbe als erstes Konzertinstitut Berlins das Bestreben hat, eine  vollkommene Aufführung zu veranstalten…

darüber Grünewald:
Peter Tschaikowsky war Gast, hat ein sehr schönes Kompliment an das Orchester gemacht, das ist ein phantastisches Orchester, das die kleine Besetzung wie Haydn und den großer Donner in sinfonischen Stücken von Berlioz wunderbar spielen kann und die Musiker haben den Vorteil, sie sind nicht ausgezehrt von Operndiensten, sondern sie sind sich selbst ihrer Kunst verpflichtet und so hat man immer einen Klangkörper vor sich, der das Beste geben kann. Und so gab es natürlich schnell ein Defilee der großen Künstler der Zeit.

Autorin
Als sich Hans von Bülow nach 6 Jahren im April 1893 wegen Krankheit verabschiedet, hat er ein Orchester geformt, das zum Aushängeschild für Kaiser und Vaterland geworden ist und um das sich die bedeutendsten Dirigenten der Zeit reißen. Und auch das Mitspielen ist so attraktiv geworden, dass ab sofort gilt:

Sprecher
Neu zu engagierende Mitglieder haben sich einer sechswöchigen Probezeit zu unterwerfen und es erfolgt deren Engagement durch Beschluss der Generalversammlung. Der Dirigent ist nicht Mitglied des Orchesters. Er wird von diesem engagiert. Die Aufnahme eines Verbandsmitglieds erfolgt durch geheime Abstimmung der Generalversammlung. Alle Mitglieder haben die gleichen Rechte und Pflichten.

Hartmann
Von unserer Orchestermusikersicht aus äußert sich es wohl darin, dass die Kollegen untereinander schon relativ selbstbewusst auftreten. Wenn ich es aus Dirigentensicht sehe….ich hab jetzt nicht nur ein paar Musiker da sitzen, die das machen, was man will, sondern bei uns kommt schon ein Gegenwind und daran kann man schon auch sehen, da sitzt schon ne Persönlichkeit als Ganzes.

Sprecherin
Christoph Hartmann, Oboe, Berliner Philharmoniker seit 1992

Autorin
Richard Strauss, der im Jahr nach Bülows Tod die Abonnementskonzerte dirigiert hatte, macht sich Hoffnung auf den Chefposten- Umsonst, er kommt nicht an bei Publikum und Musikern.
Mit untrüglichem Gefühl für die Zeichen der Zeit entscheidet sich das Orchester für Arthur Nikisch, den „Magier“ mit dem extra langen Taktstock und der besonderen Ausstrahlung. Den ersten „Stardirigenten“.

Musik: BPO, Arthur Nikisch, Franz Liszt, Ungarische Rhapsodie, ab 9.50

Riethmüller
Die Allüren, die sich die Dirigenten gestattet haben, die sind Allüren des 19. Jahrhunderts, das sind die Nachbeben einer zutiefst patriarchalischen und autoritär  fixierten Gesellschaft, die auf dem Podium das Abbild ihrer eigenen Sehnsüchte findet.

Autorin (Musik v.o. unter Text abblenden)
Mit Arthur Nikisch betritt ein neuer Typus von Dirigent das Podium- der Maestro, der nicht mehr selbst komponiert wie Mendelsohn,  Brahms, Strauss oder Mahler. Der auch nicht selbst als Solist auftritt wie Franz Liszt und Bülow. Mit Nikisch wird der Dirigent zum Schöpfer, die Interpretation der Noten wir zu einem kreativen Akt von eigenständiger Bedeutung. Und Nikisch prägt auch das äußere Erscheinungsbild des klassischen Maestro: mit langem dunklem Haarschopf und feurigem schlägt er Musiker und Publikum in seinen Bann.
Nikisch führt das Orchester ins 20ste Jahrhundert und geht mit ihm auf Reisen in die europäischen Metropolen, nach Moskau, nach Sankt Petersburg. Er setzt ungeliebte „Neutöner“ beim Publikum durch.

Grünewald
Die Philharmoniker waren immer ein Orchester, das zeitgenössische Musik gespielt hat, und zu ihren Gründungszeiten war Brahms modern oder Bruckner musste durchgesetzt werden. Mahler hat`s unglaublich schwer gehabt, dennoch das Orchester hat ihn gespielt, selbst wenn die Säle halb leer waren. Irgendeine Uraufführung, ich glaub, die Uraufführung seiner 2., hat er selbst finanziert, hat auch das Orchester bezahlt, hat Bruckner auch mal gemacht, also die haben immer Musik ihrer Zeit gespielt.

Musik Liszt v.o. wieder hoch bei 12.40

Autorin
Noch in anderer Hinsicht sind die Berliner auf der Höhe ihrer Zeit: im Herbst  1913 nehmen sie unter der Stabführung von Nikisch Beethovens 5. Sinfonie auf Schellack auf. Die weltweit erste Gesamtaufnahme. Die Aufnahme von Franz Liszts „Ungarischer Rhapsodie“ folgt kurze Zeit später.

Musik Ende, dann sofort im Anschluss

Archiv O- Ton Kaiser Wilhelm zu Beginn 1. Weltkrieg, : „An das deutsche Volk…“
dann Rede weiterführen als Atmo unter Text

darüber: Sprecher
Während man sich in den beteiligten Kreisen noch den Kopf zerbricht, was aus unserer Konzertsaison werden wird, fängt sie früher an. Einige musikalische Vorpostengefecht hatten bereits stattgefunden, als sich am 12. September die Direktion der Philharmonie mit einem Konzert großen Stils meldete, das unter dem Protektorat des Berliner Magistrats und zum Besten der Kriegsopferfürsorge veranstaltet wurde. Dass auch die meisten nächsten Konzerte zu ähnlichen wohltätigen Zwecken veranstaltet werden, ist anzunehmen.

Sprecherin
Signale, 1914

Wilhelm II ab 1.29 als Atmo wieder hoch: „Es muss das Schwert nun entscheiden. ..Vorwärts mit Gott.“

Autorin
Während des ersten Weltkrieges geht der Spielbetrieb  weiter. Alle Orchestermitglieder, die ins Feld müssen, erhalten von ihren Kollegen eine freiwillige Unterstützung von 1 Mark täglich. Die Anzahl der Konzerte bleibt unverändert – das Programm wird patriotisch.

Musik: BPO, Nikisch wie oben, Beethoven, 5. Sinfonie, Ende 1. Satz ab 5.14

Sprecher
Die angebliche Verdeutschung der Konzerte, die zu den Errungenschaften der Kriegszeit gezählt wird, besteht in vero in einem Rückzuge auf einige besonders bequeme Meister und in einer ungemeinen Verengerung des musikalischen Horizonts. Auch in dieser Saison wird man immer dieselben Werke von Bach, Beethoven, Schubert, Weber, Brahms usw. in ungezählten Wiederholungen zu hören haben.

Sprecherin
Neue Zeitschrift für Musik, Sommer 1915

Archiv O- Ton Philipp Scheidemann
Vier furchtbare Jahre liegen hinter uns, ein grausamer Krieg ist zuende…

Autorin
Arthur Nikisch leitet das Orchester durch die Wirren der Nachkriegszeit und feiert im Frühjahr 1920 sein 25jähriges Chefdirigentenjubiläum. Das Konzert für Arthur Nikischs Trauerfeier am 6. Februar 1922 dirigiert bereits sein Nachfolger.

Musik: Beethoven Ende, sofort im Anschluss
BPO, W. Furtwängler, Richard Strauss, Don Juan, ab Anfang

darüber
Sprecherin
1923- 1954 Wilhelm Furtwängler und das Berliner Philharmonische Orchester- eine Liebesgeschichte

Bastiaan
Furtwängler war für uns mehr als nur ein Dirigent, der hier hinkommt, da war viel menschliche Verbundenheit, so dass man sagen kann, das schon bevor er da war, kam das Orchester in eine Bereitschaftsstellung.

Sprecherin
Johannes Bastiaan, Jahrgang 1911, 1. Geige Tutti .
Berliner Philharmoniker von 1934 bis 1976

Archiv O- Ton Probe Furtwängler und die Berliner Philharmoniker

Bastiaan
Er hatte ja eine an sich unmögliche Art zu dirigieren, aber diese unmögliche Art war dem Orchester so vertraut, er brauchte also nur den Zeigefinger der rechten oder der linken Hand zu heben und schon ging es wie ein Ruck durch das Orchester und es war eine Bereitschaftsstellung, die eben nicht bei jedem Dirigenten da war. Das war … wie eine heimliche Liebe.

Autorin
Wilhelm Furtwängler, der sich zu Beginn seiner Karriere eher als Komponist denn als Dirigent sieht, liebt die großen, die klassischen und romantischen Werke des 19. Jahrhunderts und die gemäßigte Moderne eines Hans Pfitzner und Richard Strauss.

Musik: Strauss von oben bei ca. 2.10 verschränken mit Alban Berg, Wozzek  ab ca. 5.00 , stehen lassen, darüber:

Autorin
Doch sensationelle Aufführungen finden im Berlin der zwanziger Jahre auch noch an anderen Orten statt: in der Staatsoper, wo Erich Kleiber Alban Bergs Oper „Wozzek“ uraufführt. In der Krolloper, wo Otto Klemperer mit kompromisslosen Avantgardekonzerten Aufsehen erregt.
Und noch eine Neuigkeit: das Radio nimmt seinen Betrieb auf.

Musik von oben weg,

Archiv Atmo: „Achtung, Hier Vox Haus, Berlin, wir bringen Ihnen jetzt einen Foxtrott zu gehör, es spielt….
anschließen Foxtrott stehen lassen

Sprecherin
Es waren schwere Zeiten für die Berliner Philharmoniker. Wir wussten nicht, wie wir das Orchester über die Sommermonate 1924 hinweg bringen sollten. „Warum versuchen wir es nicht einmal mit einer Tournee“ sagte Furtwängler eines Tages und schnell entschlossen fragten wir einige Städte telefonisch an. Alle sagten zu und dies war der Anfang der Gastspielreisen mit Furtwängler.

Sprecher
Berta Geissmar, Furtwänglers Sekretärin

Autorin
200 Milliarden Mark kostet eine Eintrittskarte für ein Philharmoniker Konzert im Dezember 1923- die Inflation hinterlässt ein Orchester in existentiellen Nöten. Konkurrenz droht von den Sinfonikern und dem neu gegründeten Rundfunkorchester. Aber die Philharmoniker bleiben ihren Grundsätzen auch in der Krise treu und konfrontieren die Zuhörer beharrlich mit nie gehörten Klängen. Die Kritiker belassen es nicht mehr bei ästhetischen Einwänden:

Musik, Rias Sinfonieorchester, F. Fricsay, Strawinsky, Sacre du Printemps

Darüber Sprecher:
Gehirnmusik, die sich nicht an einer Stelle zu einer künstlerischen oder gar dichterischen Absicht verdichtet.

Sprecherin
Signale, Dezember 1923

Sprecher
So kam es, dass nach der Vorführung über eine peinliche Pause hinweg ein kleiner Skandal ausbrach, bei dem die paar wütenden Applaudeure, meist ausländische Jünglinge, durch energisches Zischen und Pfeifen von ihrem Wahne, dem deutschen Volke das Machwerk als Kunst aufzudrängen, gründlich geheilt wurden.

Signale Januar 1924, nach einer Aufführung von Strawinsky, Sacre du Printemps in der Berliner Philharmonie.

Musik von oben weg

Stoll ( aus DLR- Archiv)
Überleben kann man nur, wenn man Hochleistungen bringt. Die Philharmoniker sind keine feststehende Institution. Das würden wir uns nie einbilden. Aber wenn wir einen neuen Musiker einstellen, achten wir immer darauf, dass dieser besser ist als der, den wir verloren haben.

Sprecherin: Klaus Stoll, Solo- Kontrabass, Berliner Philharmoniker seit 1965

Gerhardt
Man ist immer gefordert und einen Leistungsabfall kann man sich nicht leisten, das ist schlechterdings unmöglich. Wenn man es selber merkt, ist es schon kritisch, aber wenn die anderen es merken, ist es eine Katastrophe.

Westphal
Jedes Konzert ist ja irgendwie ein Probespiel vor seinem Nachbarn, denn der sitzt ja mit Argusaugen und man selber sitzt auch mit Argusaugen da, deswegen ist es verdammt gefährlich, diese Abendveranstaltungen, diese zwei Stunden auf dem Konzertpodium. Es ist Hochleistung, wenigstens am Abend.

Sprecher
Soll das Berliner Philharmonische Orchester zerschlagen werden? Ein Attentat auf die Musikstadt Berlin!

Sprecherin
Berliner Zeitung 11. November 1931

Sprecher
Die Philharmoniker in Gefahr!
Vossische Zeitung 11. November 1931

Autorin
Trotz der qualitativen Hochleistung, die das Orchesterleben von Beginn an auszeichnet, trägt sich das Orchester nie aus eigener Kraft. Es lebt, -mal mehr mal weniger- auch von Spenden musikbegeisterter Bürger und von öffentlichen Geldern. Im Herbst 1931 beschließt der Berliner Magistrat, die Subventionen für das Orchester auf die Hälfte zu reduzieren. Wieder einmal droht das Aus. Doch das Ende tritt schließlich die Konkurrenz: das Sinfonieorchester. Die Philharmoniker, mit ehemaligen Sinfonikern auf 102 Musiker aufgestockt, können sich mit der Vorbereitung ihres 50. Jubiläums befassen.

Sprecher
Dem Berliner Philharmonischen Orchester  ist anlässlich seines 50jährigen Jubiläums vor allem zu wünschen, dass die langen Jahre materieller Abhängigkeit, quälender und zermürbender Unsicherheit endlich ein Ende haben mögen, und dass dem Orchester weiter und von neuem die Möglichkeit ruhigen und gedeihlichen Wirkens, künstlerischer Arbeit und Höherentwicklung gegeben wird, zum Heile Berlins und der deutschen Musik.

Sprecherin
Wilhelm Furtwängler, Berliner Lokalanzeiger 17. April 1932

Archiv O- Ton A. Hitler über deutsche Kunst als Atmo

Autorin
Doch allen Festreden und Jubelkonzerten zum Trotz- die Verhandlungen über die Umorganisation der Orchester GmbH ziehen sich hin bis zum im Jahr 1933. Dann kaufen die Nationalsozialisten dem Orchester seine materiellen Sorgen ab und die Philharmoniker werden zum Staatsorchester, die Musiker zu Angestellten mit Pensionsberechtigung, Wilhelm Furtwängler ist federführend in allen künstlerischen und personellen Angelegenheiten, außerdem ist er musikalischer Leiter der Bayreuther Festspiele und der Berliner Staatsoper, auch die Wiener Philharmoniker stehen unter seiner Leitung.

Atmo Hitler Rede kurz freistehend und weg

Grünewald
Der Preis für die relative Selbständigkeit, die man im Inneren noch hatte, war natürlich auch, dass man für die Politik des Nationalsozialismus in Anspruch genommen wurde.

Musik: unter O- Ton, BPO, Furtwängler, Paul Hindemith, Mathis der Maler
(DLR- Archiv)

darüber Autorin
1934 kommt es zum Eklat, als Furtwängler in der Berliner Staatsoper die Aufführung der Oper „Mathis der Maler“ des als „entartetet“ geltenden Komponisten Paul Hindemith untersagt wird. Aus Protest tritt der Star der internationalen Musikszene von allen Ämtern zurück. Das Orchester sagt eine England- Tournee und Konzerte im Inland ab. Das Publikum signalisiert  Sympathie mit Furtwängler. Doch zum offenen Widerstand oder zur Emigration kann sich der Dirigent nicht durchringen. Schließlich lässt er sich auf einen Kompromiss ein: in der Hoffnung, die jüdischen Musiker und Mitarbeiter des Orchesters schützen zu können und unter der Voraussetzung, keine politischen Ämter übernehmen zu müssen, bleibt Furtwängler in Deutschland und steht ab 1935 wieder regelmäßig vor dem Orchester.

Riethmüller
Er hatte ein ganz besonderes Sendungsbewusstsein von der „deutschen Musik“, nach 45 hieß das „europäische Musik“ und dieses Sendungsbewusstsein war in sehr großer Übereinstimmung mit den Machthabern und das war auch der Punkt, ….womit Goebbels ihn auf Linie gebracht hat, das man doch an das Gemeinsame der Sendung appelliert hat.

Autorin
Zum ersten Auftritt nach dem öffentlich ausgetragenen Streit und der inoffiziellen Versöhnung erscheint die gesamt Naziprominenz in der Philharmonie. Den Kotau, den Furtwängler  vor Hitler macht, muss er sich bis an sein Lebensende vorwerfen lassen. In den folgenden Jahren bedienen Dirigent und  Orchester die Ansprüche der Regierung. Sie geben Konzerte für nationalsozialistische Organisation, konzertieren bei Parteiveranstaltungen und spielen bei Hitlers Geburtstag- am Vorabend der Feier.

Riethmüller
Er war Funktionsträger und aus der Rolle kam er nicht heraus und die Rolle hat er anscheinend akzeptiert.

Archiv Atmo aus 2. Weltkrieg, Collage aus Radioübertragung, Sirenen, Bombenangriff, sehr leise unter O- Ton

Grünewald
Man reiste nach Paris, man reiste nach Warschau, nach Posen, nach Norwegen, in besetzte Länder. Man trat dort auf, natürlich war die Absicht glasklar des Propagandaministeriums. Hier kommt die deutsche Kultur. Um auch abzumildern, diese Länder sind besetzt von deutschen Soldaten, so schlimm kanns ja gar nicht sein, bitte schön, die Philharmoniker kommen. Ganz klar sind die in Anspruch genommen worden und haben da noch als Aushängeschild gedient.

Bastiaan
(Ich) wurde durch den Namen Furtwängler geschützt dadurch, dass ich nicht eingezogen wurde und das war schon eine besondere Stellung als junger Mensch, die ich da hatte.

Autorin
Alle Musiker sind   „uk“- unabkömmlich- gestellt. Keiner  muss jemals an die Front. Sie spielen weiter,  auch nachdem   im Januar 1944 Bomben die Philharmonie in der Bernburger Strasse zerstören, in der Staatsoper, im Admiralspalast, vor immer vollbesetzten Haus. Sie spielen weiter , auch nachdem  Goebbels den „totalen Krieg“ ausruft und die Theater schließen.

Bastiaan (unter o- Ton Collage weg)
Es gab eben doch Menschen, die an irgendetwas, was in der Luft lag glaubten, und die  Konzerte gaben den Menschen, -so hatten  wir auch als Orchester das Gefühl-, doch die Kraft, dass es eben außer Kriegsgeschehen noch andere Dinge gibt, die wert sind, dass man sie sich anhört und das ist doch etwas, was man den Menschen auch nicht nehmen konnte. Ich glaube, das Orchester hat auch immer wieder für sich selbst gefühlt, was man den Menschen mit gut dargebrachter Musik geben konnte.

Musik: BPO, Furtwängler, Richard Strauss, Tod und Verklärung Anfang bis 0.50, darüber

Autorin
Am 15. April 1945 findet im Beethovensaal das letzte Konzert der Philharmoniker vor Kriegsende statt. Auf dem Programm: Weber, Brahms und Richard Strauss: Tod und Verklärung.
Kaum 6 Wochen später, tritt das Orchester wieder auf, im Titania- Palast, in einer neuen Zeitrechnung, mit einem neuen Programm:, Mozart, Tschaikowsky. Und erstmals wieder seit Jahren: Felix Mendelsohn- Bartholdy.

Unter Text Musik verblenden: Arturo Toscanini, Philadelphia Orchestra,
Felix Mendelsohn- Bartholdy, Sommernachtstraum, Intermezzo ab 0.31

Bastiaan
Das ging wie eine Mundpropaganda von Wohnung zu Wohnung und es war eigentlich ziemlich leicht zueinander zu kommen, auch wenn kein Telefon mehr ging, man wusste wer wo wohnte und wir hatten einen sehr beliebten Vorstand, das war der Klarinettist Fischer, der sozusagen von Tür zu Tür ging und die Parole weitergab: wir spielen wieder.

Autorin (Musik bei ca. 1.20)
Wilhelm Furtwängler steht dem Orchester vorerst nicht zur Verfügung. Er muss sich einem Entnazifizierungs- Verfahren stellen.

Sprecherin: Intermezzo 1: Leo Borchardt

Grünewald
Borchard hat auch einen Symbolcharakter, Borchard war ja ein Mann des Widerstands, damit ist auch eine moralisch völlig unbeschädigte Persönlichkeit an die Spitze getreten. Also es war ein Neuanfang im Doppelten Sinne, musikalisch- künstlerisch wie moralisch.

Sprecher
Der internationale Ruf des Dirigenten, der traditionsverbundene Name des Orchesters- Frieden und begonnener Wiederaufbau- neue Hoffnung und Zuversicht bei allen Gutwilligen- das waren die Vorzeichen dieses Konzertabends. Vor dem Portal standen kurz vor Beginn des Konzerts noch Hunderte von Menschen, die trotz des lange bekannt gemachten „Ausverkauft“ noch die Hoffnung am Platz hielt, zurückgegebene Karten zu ergattern. Welcher Hunger nach künstlerischem Erleben!

Sprecherin
Der Tagesspiegel, 29. Mai 1945

Bastiaan
Wir suchten nach einem möglichst routinierten und guten Dirigenten, aber die waren ja aus Berlin verschwunden bzw. sie waren aus politischen Gründen nicht angenehm.

Westphal
Es war damals eine sehr starke Konkurrenz durch das RIAS Orchester, welches sehr hochgelobt wurde und  als Gegenpol aufgebaut wurde, da war ja damals der sehr junge und sehr gute Ferenc Fricsay , da musste man sich bemühen.

Grünewald
Damals waren hier die Sektoren und es gab auch strenge Sektorenkontrollen, Grenzkontrollen auch zwischen den westlichen Sektoren. Also Borchard eingeladen von einem englischen Offizier, Abendessen, man trinkt auch was, fährt im Jeep zurück in den amerikanischen Sektor und ein Posten spricht sie an, und der Major sagt: komm, spielt keine Rolle, sagt zu seinem Fahrer: fahr weiter. Der Posten, jung, unerfahren, die Situation damals, es gab ja noch marodierende Leute, es war ne unklare Situation, der jedenfalls schießt und trifft den Borchard und zwar so, dass er daran starb, ganz schnell.

Musik Mendelsohn von oben  bei 2.40 Ende

Sprecherin:
Intermezzo II:  Sergiu Celibidache

Musik: Celibidache und BPO, Prokofieff, Symphonie Classique, Finale
(DLR- Archiv)

Riethmüller
Er war ein Spring-ins-Feld,  ein schöner agiler Dirigent, ein richtiger Schönling, der das auch voll ausgespielt hat, mit einstudierten Gesten, er war der geborene Stardirigent.

Bastiaan
Das war durch einen Geiger, durch Herrn Bethmann, der eines Tages sagte: den würde ich zunächst mal vorschlagen zu einem Probedirigieren… der Eindruck war eigentlich sofort sehr überwältigend. Und das Orchester war sofort bereit mit ihm zu arbeiten. Und das war umso leichter, da er ja rumänischer Staatsbürger war und es lagen also keine Schwierigkeiten für uns da.
Ich persönlich habe sehr gerne mit ihm gearbeitet, aber es gab natürlich auch Gegner von seiner Art und er war ja wie ein kleiner Teufel, wenn er da oben stand und versuchte, Musik in Bewegung umzusetzen.

Sprecher
Unter der souveränen Führung des jungen rumänischen Dirigenten Sergiu Celibidache, dessen magisch- suggestive Zeichengebung aus körperlichen Gestaltenmüssen des musikalischen Erlebnisses zu entspringen scheint, wurde der ganze Ausdrucks- und Farbenreichtum, der in diesem Klangkörper beschlossen liegt, zu tönendem Leben erweckt.

Sprecherin
Sächsische Volkszeitung 10. Mai 1946

Musik weg

Bastiaan
Die Freude, unseren Meister wieder bei uns haben zu dürfen, es hing ja alles von den  Alliierten ab, die Freude war natürlich enorm, als er die Erlaubnis bekam, eben überhaupt wieder dirigieren zu dürfen und eben auch die Philharmoniker.

Autorin
Am 25. Mai 1946 spielt das Orchester wieder unter dem inzwischen aus Mangel an Beweisen rehabilitierten Furtwängler. Auf dem Programm: Beethovens 5.

Archiv O- Ton Wilhelm Furtwängler Ansprache an das Orchester 31.12.1947:
„Wir feiern ja sozusagen silberne Hochzeit…dass wir eine gute Ehe geführt haben“

Westphal
Das war eine Spannung, die jeden Abend auch noch durch eine Anspielprobe gesteigert wurde und er war auch gereizt und nervös, also es konnte furchtbar werden, ich glaube, solche Ausbrüche würden heute nicht mehr toleriert von Orchestermusikern.

Autorin
In der neu gegründeten Bundesrepublik werden die Berliner Philharmoniker ein städtisches Orchester. Und sind schnell wieder das kulturelle Aushängeschild der geteilten Stadt, auch wenn ihnen 1948 von amerikanischer Seite untersagt wird, weiterhin im Ostteil aufzutreten. Eine der ersten Auslandsreisen geht nach England.

Archiv O- Ton Radio Kommentar „Die berühmten Berlin. Phil. sind zu Gast in England als Zeichen der Versöhnung“ (auf englisch)

Darüber Autorin
Auch eine Amerikareise ist für den Beginn der 50er Jahre  geplant. Ein Politikum von immenser Bedeutung für die Bundesrepublik. Selbst Bundeskanzler Adenauer engagiert sich ihr Zustandekommen: wieder sind die Berliner Philharmoniker zum Corps diplomatique geworden. Doch Wilhelm Furtwängler, der dem Orchester über 22 Jahre lang auf das Engste verbunden war, wird die Musiker nicht mehr begleiten. Er stirbt am 30. November 1954.

Westphal
Irgendwann war mal ein Schmiss in irgendeinem Konzert, das hat er scheinbar gar nicht mitbekommen, …in früheren Zeiten unvorstellbar, jedenfalls er hats nicht mitbekommen und dann hieß es eben, er wäre krank,…und irgendwann gabs dann die Todesanzeige… und es sind dann doch bei den gestandenen älteren Herrn die Tränen geflossen, daran erinnere ich mich, als das dann bekannt gegeben wurde.

Sprecherin:
1954 bis 1989- „Zirkus Karajani“ am Potsdamer Platz

Musik BPO, Herbert von Karajan, Gustav Mahler, 5- Sinfonie, von Anfang
Aus DLR- Archiv

Autorin
Herbert von Karajan wird Chefdirigent, weil er einspringt, als die Amerikareise durch Furtwänglers Tod zu platzen droht.

Westphal
Das war schon sehr beeindruckend, mit Propellerflugzeug…., allein der Flug von den Azoren nach New York dauerte ja zehn Stunden und 1. Klasse oder so was gab ´s ja gar nicht, ….was hat man da alles für merkwürdige Sachen gemacht, ich habe manchmal sogar die Geige ausgepackt und dann wurde auch gesungen und Alkohol gab ´s natürlich auch immer reichlich, da war man sehr großzügig von Seiten der Fluggesellschaft, und dadurch hat mans ganz gut überstanden, seelisch.

Autorin
Die Amerikaner empfangen das Orchester nicht mit ungeteiltem Jubel.
In der Carnegiehall lassen Demonstranten weiße Tauben fliegen und erinnern das Publikum an die Verstrickung des Orchesters mit dem Naziregime, bei der zweiten Reise wird das Orchester freundlicher aufgenommen. Echte Begeisterung aber erfahren die Musiker bei ihrer ersten Tournee nach Japan. Der Beginn einer bis heute andauernden Verbundenheit:

Musik von oben weg

Gerhardt
Begeisterung ist gar kein Ausdruck. Jedes Konzert wurde vom Fernsehen direkt übertragen und am nächsten Tag, wenn man über die Strasse ging wurde man angesprochen auf die Konzerte. Die Leute haben es wirklich gesehen (…) wir waren selbst von den Socken, dass die so auf deutsche und klassische Musik abfahren, das hätten wir uns nicht so vorgestellt.

Autorin
Mit Herbert von Karajan hat das Orchester einen goldenen Griff getan. Jetzt reist man rund um die Welt, nur noch an erste Adressen,  nur noch zu großen prestigeträchtigen Festivals. Salzburg wird in den 60er Jahren zur zweiten Heimat der Philharmoniker. Und sie erobern: Schallplatte, Film, Fernsehen.

Musik: BPO, Karajan, Peter Tschaikowsky, Sinfonie Nr. (aus DLR Archiv)

Darüber Westphal
So um 1960 herum ging es richtig los, da mussten neue Verträge ausgehandelt werden und das ganze Repertoire und er bekam einen leeren weißen Briefbogen und konnte draufschreiben, was er wollte, das war alles in seiner Hand und diese vielen Aufnahmen waren sehr lukrativ.

Wedow
Und kam etwas sehr lustiges-

Grünewald
-Karajan ist Pionier gewesen bei der Realisierung von Konzertaufnahmen im Fernsehen. -

Wedow
-Er war der Meinung, ein normal aufgenommenes Konzert sei zu langweilig für das Bild. -

Grünewald
-Und zwar hat er Folgendes gemacht: er hat sich zum Beispiel George Henry Clouseau geholt, den kennen wir nur von einigen Filmen noir aus Frankreich-

Wedow
-Und der hat uns in Reihen aufgestellt, das war zum Lachen eigentlich. Wer ein bisschen Orchester kannte, der musste sich amüsieren darüber, alles in einer Reihe. -

Grünewald
-Dann hat man gespielt und es wurde im Studio nachsynchronisiert im Play back Verfahren. Das ist also heute nicht mehr vorstellbar.-

Wedow (lacht)
-Alle in einer Reihe, das war also höchst merkwürdig.-

Musik Tschaikowsky von oben weg

Schon darunter:
Archiv Atmo Atmo  Reportage Grundsteinlegung Neubau Philharmonie
Blacher Hymne für Philharmonie Neubau- Hammerschläge- Rede Willy Brand:
„Glück auf unseren Philharmonikern- Glück auf unserer geliebten Stadt Berlin“

Gerhardt
Das war das einzige Haus weit und breit, außer der Matthäikirche stand sonst nur noch ein einziges Haus in dieser Sigismundstrasse und sonst war alles Wüste und natürlich war das für viele ein Ärgernis. Da an die Mauer!

Autorin
1963 wird am verwaisten Potsdamer Platz in Sichtweite der Grenze die neue Philharmonie eröffnet, Hans Scharoun setzt mit diesem Bau Maßstäbe für die modernen Konzerthäuser der Welt. Das Orchesterpodium ist von den terrassenförmig ansteigenden Publikumsrängen umgeben. Eine demokratische Architektur.

Westphal
Als wir das da reinkamen zum erstenmal hat mich das schon sehr angesprochen, und ist dann immer mehr geworden. Ich liebe ihn immer mehr und wenn ich mal ein Konzert besuche, dann gehe ich so früh hin, dass ich auch den leeren Saal einige Minuten genießen kann. Was da drinsteckt, das ist schon was ganz besonders, da kann man schon richtig glücklich sein. ….Es ist ein Segen, dass dieses Gebäude da am Potsdamer Platz steht.

Wedow
Das war der Punkt, wo Karajan absolut angekommen war, es gab keinen mehr der gemeckert hätte. Da war er angekommen. Die Jahre waren seine beste Zeit.

Archiv O- Ton H.v. Karajan
Habe von diesem Orchester mehr bekommen, als man jemals erwarten konnte. ….kann man nur dankbar sein.

Sprecherin:
Herbert von Karajan, Chefdirigent

Gerhardt
Diese Orchesterdemokratie hat ihm ja im Grunde seines Wesens nicht behagt, er hat es toleriert, solange es nach seinen Wünschen alles lief, aber dann irgendwann… Er brauchte ja auch, sobald die Gefahr bestand, dass Langeweile aufkommen könnte, dann musste etwas passieren, was Schlagzeilen brachte, ob das künstlerisch war oder Sensation- es musste auf den ersten Seiten der Presse erscheinen und das war immer der Fall.

Autorin
Man schreibt das Jahr 1982. Das Orchester wird 100 und entsinnt sich seiner Geschichte, seiner demokratischen Prinzipien. Es meutert, als Herbert von Karajan eine Klarinettistin, Sabine Meyer, in das Orchester aufnehmen will, die beim Vorspiel nicht die Mehrheit der Stimmen erhalten hat. Madelaine Carruzzo, die erste Frau, die sich zu dieser Zeit anschickt in die Männerdomäne Berliner Philharmonie einzubrechen, steht gerade am Beginn ihres Probejahrs.

Madelaine Carruzzo
Das Problem war, dass Karajan sie durchdrücken wollte gegen den Willen des Orchesters. Das war das eigentliche Problem. Ich würde nicht sagen, dass die Tatsache, dass sie eine Frau war, keine Rolle gespielt hat.

Wedow
Wir waren ja eine eingeschworene Männergesellschaft und Männergesellschaften sind nun mal irgendwie nun ja, ein bisschen abgeschlossenen in sich und wir hatten nun mal, -nicht, dass wir etwa vor Frauen Angst gehabt hätten- im Gegenteil !-, aber wir hatten ein bisschen Sorge.

Dietrich Gehrhardt
Das Orchester hatte ja sehr schwierige Anfänge, es hatte sich ja als Rebellion gegründet gegen seinen Dirigenten, der ihm da Bedingungen zumutete, die die Musiker nicht mehr akzeptieren wollten. Diese Tradition haben wir wieder aufgegriffen, als wir dann gegen Karajan revoltiert haben.

Autorin
Karajan gibt nach, Sabine Meyer zieht ihre Bewerbung zurück und startet eine Solokarriere. Doch das Verhältnis zwischen der Orchesterrepublik und seinem Chefdirigenten auf Lebenszeit ist nur noch notdürftig zu kitten.

Gehrhardt
Ich kann mich erinnern an einen Ausbruch von ihm, wie es darum ging um die Zukunft des Orchesters und dann sagte ich ihm, ja wir müssten doch manchmal an die Zukunft denken, was nachher sein würde. Ich meinte damit nach ihm. Er hat das auch sofort verstanden. Er sagte dann wie aus der Pistole geschossen: was nachher sein wird, das kann ich Ihnen sofort sagen, da bricht sowieso alles zusammen.

Carruzzo
Eines war klar: nie mehr einer auf Lebenszeit.

Autorin
Im Frühjahr 1989 legt Herbert von Karajan nach 35 Jahren den Chefposten nieder, ohne offizielle Verabschiedung, pragmatisch und unpersönlich. Wenige Monate stirbt er in Salzburg. Die Abstimmung der Orchestermusiker für ihren neuen Chefdirigenten gleicht dann einer Pabstwahl:

Grünewald
Man zog sich in Lichterfelde in die Siemens Villa zurück-

Wedow
-na das waren 8 Stunden -

Grünewald
-keine Verbindung nach außen, das wurde kontrolliert-

Wedow
-Und es durfte nicht rauskommen, wer zweiter war und wer dritter war.-

Grünewald
-von der Diskussion durfte nichts nach außen dringen und wenn am Ende dann der weiße Rauch aufstieg, -

Wedow
-Als tatsächlich Claudio Abbado gewählt wurde, dann habe ich ihn angerufen in Wien und da hat er gesagt: wie bitte ?? – er war höchst überrascht.
Mit Claudio haben wir dann eine völlig neue Richtung eingeschlagen.

Sprecherin:
Abbado, Rattle, Education

Musik: BPO, Claudio Abbado, Karl Heinz Stockhausen, Gruppen  Werk Nr. 6

Riethmüller
Abbado war eben ein intellektueller Typus, das wichtigste mit ihm war, das man von dieser alten Unternehmensführung, von diesem patriarchalischen, Generalsstabsmäßigen runterkam in eine demokratischer Landschaft und da hat Abbado höchst segensreich gewirkt.

Carruzzo
Er war jung, alle waren enthusiastisch, und die erste Zeit immer ist wunderbar.

Wedow
Er hat dann nach einem Konzert in Köln und einem netten Umtrunk dann gesagt: also ich möchte dann mal damit kundgeben: ich bin Claudio. Das war für uns schon mal überraschend. So was waren wir nicht gewöhnt und jetzt entspann sich sofort an dem Abend die Frage zwischen uns Kollegen: ja, Claudio Du oder Claudio Sie? (..)

Hartmann
Ich kenne keinen Menschen, der Musik so schön in dirigentische Bewegungen oder überhaupt in Bewegung mit den Händen umsetzen kann wie Abbado, das war seine große Stärke und dazu kann er unheimlich schön Musik machen, er ist einfach ein ganz großer Musiker.

Archiv O- Ton Abbado
Ich habe dirigiert, komponiert und gespielt, aber das Dirigieren war für mich immer das Wichtigste, das wusste ich schon mit sieben Jahren… und ich wusste, wie es klingen soll..

Sprecherin
Claudio Abbado, Chefdirigent

Carruzzo
Er wollte etwas Leichteres, er wollte nicht mehr dieses Bassbetonte, dunkler, warmer Klang, er wollte ein bisschen leichter haben.

Hartmann
Der Klang hat sich immer weiter verändert und wird sich weiter verändern.. Nur muss man immer auch die Verbindung schaffen zu dem, was die Leute von uns kennen, was sie von uns hören wollen, für was wir auch berühmt sind und die Kombination daraus, das wird unsere Zukunft sein, denk ich.

Musik Stockhausen von oben weg,

Archiv Atmo von DDR Grenzöffnung, 9. 11. 1989:
„Hier Deutschlandfunk, Die Nachrichten….“

darüber Wedow
Für uns Berliner Philharmoniker war es etwas besonders Ergreifendes. An dem Tag, als die Mauer geöffnet wurde, hatten wir an dem Tag eine Schallplattenaufnahme mit Daniel Barenboim in der Jesus Christus Kirche, und er hat gesagt, wir müssen irgendwas machen und dann kam dieses so genannte Mauerkonzert zustande, und es wurde in allen Theatern der damals noch bestehenden DDR, in allen Opernhäusern… wurde kundgegeben, dass das am nächsten Sonntagvormittag in der Philharmonie für die ostdeutschen Kunstfreunde stattfindet. Und am nächsten Morgen war der Parkplatz und der Saal war voll und es war phantastisch, es war eines der schönsten Konzerte, die wir jemals gegeben haben.

Atmo von oben Ende

Autorin
Als Claudio Abbado 1999 bekannt gibt, dass er seinen Vertrag nicht verlängern will, entscheidet sich die Orchesterdemokratie wieder für einen sicheren Geheimtipp des Musikestablishments, den Engländer Sir Simon Rattle:

Archiv O- Ton Rattle
Spricht englisch, sinngemäß:
Das Wichtigste, das uns verbindet, wichtiger noch als die Art von Musik, die wir hier machen, ist die (deutsch) „Zusammenarbeit“ (weiter englisch)

Musik, BPO, Sir Simon Rattle, Dimitri Schostakowitsch, Sinfonie Nr. 1

Autorin
Mit ihm öffnet sich die Philharmonie einem neuen Publikum: die Ausnahmemusiker vom Potsdamer Platz suchen den Kontakt zu jungen und jüngsten Berlinern. Die Orchestermitglieder gehen in Schulen, Heime, Krankenhäuser und musizieren mit Musikschülern ebenso wie mit Kindern aus bildungsfernen Schichten, die den Namen „Berliner Philharmoniker“ noch nie gehört haben-

Hartmann
…. Eine ganz tolle Sache mit unserem jetzigen Chef ist, dass er uns vertraut. Ich mag die Stimmung, die er verbreitet und ich mag das Vertrauen, dass er uns entgegen bringt, das ist schön, das macht Spaß.

Carruzzo
Er ist absolut ein Chefdirigent. Das heißt er steht vor dem Orchester, hinter dem Orchester und unter uns … Jemand, der uns auch notfalls vor den Politikern verteidigt und der Position für uns nimmt, das ist so wichtig und diese Rolle wird wirklich 100% erfüllt von ihm.

Autorin
Simon Rattles Konzept  findet Anklang in der Stadt und darüber hinaus.  Für das Konzert zum 125 jährigen Jubiläum tauschen die Philharmoniker ihr angestammtes Haus mit dem goldenen Dach gegen eine stillgelegte Fabrikanlage im Berliner Osten aus. Ein symbolischer Akt: das Kabelwerk Oberschöneweide stammt aus der Entstehungszeit des Orchesters.

Atmo Jubiläumskonzert Berlin, 30. April 2007, Gemurmel, Auftrittsapplaus, Saal wird leise

Musikmitschnitt  „Parsifal- Vorspiel“
BPO, Rattle

Darüber Grünewald
Sie haben vielleicht traumtänzerisch die Partner gefunden, die in die Zeit passten. Und ein Celibidache passte eben in die Nachkriegszeit und ein Karajan passte eben in die Restaurationsphase und das beginnende Wirtschaftswachstum, ein Abbado passte in die Zeit des Zusammenbrechens der Blöcke der Ost- West- Konfrontation und Simon Rattle passt in die Zeit und dahin soll das Orchester ja gehen, ins 21. Jahrhundert.

Wedow
Diese Begeisterung, dieser Zusammenhalt, der unser Orchester geprägt hat, … diese Selbstverantwortung auch für die Musik, die macht eigentlich die Kraft des Orchesters aus, spielt überhaupt keine Rolle, welchen Stil die spielen, wichtig ist die innere Einstellung, das man eigentlich immer ein bisschen um sein Leben spielt, wenn man da sitzt.

Bastiaan, darüber
Die Philharmoniker haben ja immer ganz ihrer Musik gelebt und ich wünsche mir dass das so bleibt und … das, was immer schon … das Orchester ausgezeichnet hat: das ganz individuelle Musikmachen.

Absage Sprecher
Die Republik der Solisten- 125 Jahre Berliner Philharmoniker
Ein Feature von Eva-Maria Götz

Es sprachen Ruth Schiefenbusch, Jürg Löw, Josef Tratnik und die Autorin
Ton und Technik: Beate Braun und Karl-Heinz Stevens
Regie: Eva-Maria Götz
Redaktion: Ulrike Bajohr
Deutschlandfunk 2007

Musik „Parsifal“ von oben Ende

Copyright: Eva-Maria Götz, Potsdam, 21. Mai 2007